Gedanken zu Briedel und seiner Verbindung zu Martin von Tours

Hermann Thur 2/2015

 

384 wurde Martin als Bischof von Tours zum Kaiser befohlen, der damals in Trier residierte.

Der Kaiser hatte, wie damals üblich, einige seiner Mitbewerber ermordet und seine Herrschaft war noch nicht gefestigt. Er erwartete daher von Martin, der schon eine anerkannte Persönlichkeit unter den Bischöfen war, ihn zu salben/segnen, um seine Position zu festigen. Die Salbung war seit alters her ein wichtiges Symbol der Kaiserschaft.
Martin weigerte sich und beim abendlichen Festmal hoffte der Kaiser, das Martin, der rechts neben ihm saß, ihm den umlaufenden Weinkrug reichen würde.

Quelle: Walter Nigg: Martin von Tours, Freiburg1979
Mit einem Auszug aus der Vita Martin von Tours von Sulpicius Severus, Kapitel 20

Eine Überreichung des Kelches hätte man nach damaliger Sitte auch als Anerkennung deuten können. Martin jedoch reichte den Pokal quer über den Tisch zum einheimischen Trierer Bischof und brüskierte damit den Kaiser. Noch in der Nacht verließ er daher Trier, um nicht der Rache des Kaisers anheimzufallen. Er machte sich auf dem Ausoniusweg auf den Weg nach Mainz zum dortigen Bischof um von dort weiter nach Köln zum Bischof zu gelangen, der ein alter Offizierskollege war. Den Weg zurück nach Tours und den direkten Weg durch die Eifel mied er, da er vermutete, dort würden ihm die Häscher des Kaisers auflauern.

Auf der Briedeler Heck waren mehrere römische Landgüter (villa rustica) Einer dieser "Gutsherren" war vermutlich ein Offizierskollege von St. Martin aus seiner aktiven Dienstzeit bei der römischen Armee, als er in Worms stationiert war. Bekanntlich bestand der Sold der römischen Soldaten nur zu einem geringen Teil aus laufenden Zahlungen und Kriegsbeute, sondern nach ehrenhafter Beendigung ihrer i.d.R. 25-jährigen Dienstzeit bekamen die Veteranen ein Grundstück hinter der Grenze und Sklaven als Arbeitskräfte, das Sie bebauen mussten. Damit sicherte sich Rom eine nahe Versorgung seiner Grenztruppen und besiedelte das Hinterland, um es dadurch besser überwachen und damit evtl. Einfälle von Feinden eher erkennen zu können.
Quelle: Hemberg, Weerth

Die Ausoniusstraße geht ja nahe an der Briedeler Heck vorbei und vermutlich nutzte St. Martin die Gelegenheit, einen alten Freund zu treffen. Dabei weilte er sicher einige Tage hier und sein Pferd mußte neu beschlagen werden. Das alte Hufeisen suchen wir immer noch.

Es war auch die Zeit, in der die römische Armee Zug um Zug ihre Pferde mit Hufeisen ausstattete, bis dato wurden meist noch lederne "Schuhe" als Schutz der Hufe eingesetzt. Und Martin als Bischof und gewesener Offizier hatte mit Sicherheit die Vorteile erkannt und die Mittel, dieses bei seinem Pferd auch einzusetzen. Da er auf dieser Reise sicherlich als Gast des Kaisers mit entsprechend guten Pferden ausgestattet worden war.

„Se non é ben trovato" = Ist´s nicht wahr, so ist´s doch gut erfunden.
Plinius

Diese Geschehnisse haben in den Urkunden keinen Niederschlag gefunden. Wir haben uns daher mit Analogien zur Erläuterung der Zusammenhänge begnügt.